BM: Sound of Sublimation

von 27. April 2021Allgemein

BM-Serie zur Vakuumpresstechnik: Sublimation – Beeindruckende Anwendung in der Vakuumpresse

Sound of Sublimation

„In Mathe war ich noch nie gut …“ antwortete mir ein Besucher auf der Ligna 2019, als ich ihm sagte, dass man mit der Vakuumpresse auch sublimieren könne. Nachdem wir beide herzhaft gelacht haben, zeigte ich ihm, was es mit der Sublimation auf sich hat: Durch das Zusammenspiel von Hitze und Vakuum können Bilder oder Grafiken in die Oberfläche von Mineralwerkstoffen und Kunststoffen übertragen werden. In diesem Teil unser Praxisserie zeigen wir Ihnen die Sublimation und die thermoplastische Verformung bei der Fertigung von Seitenteilen für einen stilvollen Lautsprecher in der Vakuumpresse.
STEFAN KATZER

Die Firma Musik & Möbelbau Reinhart aus Tauberbischofsheim ist bekannt für hochwertige Lautsprecher und HiFi-Anlagen. Gemeinsam mit dem Inhaber Norbert Reinhart haben wir eigens für diesen Beitrag einen stilvollen Bassreflex-Lautsprecher entworfen und mit der Vakuumpresse umgesetzt. Ziel war es, bei den Seitenteilen die angenehme Haptik von Mineralwerkstoff in einer Welle mit einer matten Optik zu kombinieren. Neben einem zeitlosen weißen Design wollten wir mit der Sublimation zusätzlich die Individualisierung des Lautsprechers ermöglichen.

Die Schablone haben wir aus MDF mit einer Materialstärke von 40 mm angefertigt und die einzelnen Segmente mit Gewindestangen verbunden. Eine Anschlagleiste sorgt später für eine präzise Positionierung. Aufgrund seiner thermoplastischen Eigenschaften kann Mineralwerkstoff bei ca. 150 bis 175 °C verformt werden. In unserem Fall heizen wir die in der Vakuumpresse integrierte Vorheizstation auf 160 °C auf. Wir erwärmen das Material für gut zwei Minuten pro Millimeter und legen es danach auf die Schablone. Durch die Evakuierung des Pressraumes schaffen wir einen Druckunterschied zum umgebenden Luftdruck: Die Atmosphäre drückt den Mineralwerkstoff in der Vakuumpresse nun mit knapp 10 t/m² auf die Schablone. Sobald der Mineralwerkstoff wieder abgekühlt ist, behält er seine neue Form.

Für die Sublimation ist eine noch höhere Temperatur notwendig. Bei ca. 180 bis 195 °C verdampft die Tinte im Transferpapier. Da in der Sublimations-Einheit neben der Hitze auch noch Vakuum herrscht, werden die Farbpigmente direkt in die Oberfläche des Mineralwerkstoffes übertragen. Danach kann das sublimierte Material thermoplastisch verformt werden. Der individualisierte Lautsprecher wird nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen eines Musikliebhabers begeistern.

Zu diesem Beitrag gibt es auch ein Video auf BM-TV:

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