BM: Das Auge hört mit

von 10. Februar 2021Allgemein

BM-Serie zur Vakuumtechnik: Das ist beim Formleimen mit der Vakuumpresse zu beachten

Das Auge hört mit

Dass die Vakuumtechnik im Möbelbau gerne für eine perfekte Formverleimung und optisch ansprechende Objekte verwendet wird, ist hinlänglich bekannt. Worauf Sie beim Bau der Schablone, beim Leimauftrag und beim Umgang mit dem Werkstück nach der Entnahme aus der Vakuumpresse achten sollten, erfahren Sie in diesem Teil unserer sechsteiligen Praxisserie.
STEFAN KATZER

Zwei formverleimte Blenden in U-Form machen aus dem Soundmöbel InOne 55 von Musik und Möbelbau Reinhart aus Tauberbischofsheim einen echten Hingucker. Da der Außenradius der Blenden bei 60 mm liegt und der Innenradius bei nur 38,5 mm, müssen bei der Formverleimung mit der Vakuumpresse entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden. Das Bauteil mit Schablone wird am Ende stolze 56,5 cm hoch sein. Die Flexibilität der Membran wird heute also definitiv auf die Probe gestellt.

Beim Bau der Schablone steht man meistens vor der Wahl: Spantenbauweise, massiv aus MDF oder doch die Leichtbauvariante aus PU-Schaum? Da das InOne 55 auch mit Hochglanz-Oberfläche angeboten wird, hat die Präzision eine hohe Priorität. Die Schablone soll zudem für viele Jahre im Einsatz sein, daher entscheiden wir uns für die Variante massiv aus MDF. Ok, nicht ganz massiv. Zur Gewichtsersparnis wurden bei den innenliegenden Teilen jeweils Taschen ausgefräst. Dank CNC bei der Firma Stema-Seyfried aus Wertheim ist sie mit ein paar Mausklicks programmiert.

Eine halbe Stunde vor dem Verleimen haben wir das Biegesperrholz und das Furnier mit einer Sprühflasche befeuchtet. Das feucht aufgerollte Furnier ist nun schön glatt und etwas geschmeidiger. Das Biegesperrholz wurde durch diese Sonderbehandlung auf den engen Radius vorbereitet, um den es gleich gepresst wird.

Werden Formverleimungen mit Weißleim umgesetzt, sollte dieser ein Leim der Klasse D2 sein. Denn D3-Leime sind nach dem Aushärten noch zu elastisch, was zu einer zu starken Rückstellung des Bauteils führen würde. Der Leim muss schnell aufgetragen werden, damit die Presskraft der Vakuumpresse anliegt bevor der Leim mit dem Abbinden beginnt. Vor dem Zusammenlegen der einzelnen Schichten benetzen wir die Leimflächen nochmal mit etwas Wasser aus der Sprühflasche. Ein Trick, der bei engen Radien verhindert, dass der Leim beim Kontakt mit der unbeleimten Fläche zu schnell reagiert. Alle Schichten des Bauteils sollen so widerstandslos wie möglich über die Schablone gepresst werden. Nun ist es soweit, die Luft wird durch die Vakuumpumpe aus dem Pressraum gesaugt, zwei Tanks sorgen für eine Beschleunigung der Evakuierung.

Nach 30 Minuten wird das Werkstück entnommen, für den Leim ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. Erst nach 7 Tagen ist der Weißleim vollständig ausgehärtet. Wichtig für die Maßhaltigkeit ist daher die richtige Lagerung des Werkstückes direkt nach dem Pressvorgang. In unserem Fall reichen schon zwei Auszugsleisten, die wir vom Hubtisch entwendet haben. Für ca. einen Tag wird die Blende zwischen die Leisten gestellt und bleibt dadurch perfekt im Winkel.

Zu diesem Beitrag gibt es auch ein Video auf BM-TV:

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